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Sep 21 1989

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[Test] Postal 3

Tja, hier ist es: Postal 3. Und viele Menschen haben sehr lange darauf gewartet. Also das Wichtigste vorweg: Postal 3 ist kein gutes Spiel.

Wir sind vom Postal Dude einiges gewohnt. So gab es im ersten Teil die isometrische Ansicht und im zweite dan die Egoperspektive. Da der zweite Teil sehr gut funktionierte, waren viele Fans enttäuscht, als der erste Trailer zu sehen war und wir plötzlich aus der 3rd Person spielten. Genau hier liegt auch das Problem von Postal 3: es spielt sich einfach nicht so, wie mn es vom Postal Dude gewohnt ist. Ich komme mir immer so vor, als wäre mir etwas im Weg. Die Spielfigur selbst stört mein Blickfeld. Zudem lässt er sich nicht so steuern, wie man es von einem PC-Spiel erwarten würde, sondern wie man es von Konsolengames kennt. Egal, wie wild man die Maus dreht – man sieht den Postal Dude nur von hinten. Das ist für eine Maussteuerung unüblich.

Postal 3 Wallpaper

Nachdem wir jedenfalls die aus Deutschland problemlose Aktivierung über Steam hinter uns haben, geht es los. Es entpuppt sich jedoch schnell, dass wir schon am Anfan keine fünf Minuten spielen können, ohne Zwischensequenzen vorgesetzt zu bekommen. Ok, für den Einstieg wollen wir dem Dude das mal verzeihen. Nachdem das Tutorial aber vorbei ist (wann es das ist, kann man nicht so genau sagen) geht es in genau dem gleichen Schema weiter. Wer nur zwei Stunden spielt, sieht ungelogen mehr Zwischensequenzen als sonst in einem kompletten Spiel. Mit diesen wird die Geschichte an jeder Ecke weitererzählt und Missionsaufträge erklärt. Einen wirklichen Zusammenhang zwischen diesen gibt es nicht wirklich, bis auf wiederkehrende Charaktere und die Tatsache, dass der Postal Dude versucht Geld zu verdienen – aus welchen Gründen auch immer.

Die Cutscenes sind nett in Szene gesetzt und erfüllen einen Zweck. Ärgerlich wird es erst dann, wenn sie einen Kampf unterbrechen und man danach sofort wieder ins Gefecht geschmissen wird und erst einmal von den Gegnern beschossen wird, die man im Laufe der Filmsequenz schon wieder ganz vergessen hatte. Glücklicherweise hält der Dude unmenschlich viel Schaden aus. Da könnte man fast schon sagen, das Spiel ist zu leicht. Und trotzdem versprüht es einen gewissen Charme.

Wer den Vorgänger gespielt hat, kennt die verrückten Sprüche vom Postal Dude und lässt diese wärend des Spielens immer wieder ganz unbewusst selber los. Da ist die Freude über die übermäßig brutal dargestellten Tode der Feinde gleich doppelt so hoch, zumal man sich hier endlich mal an gewisse Naturgesetze hält und ein Kopfschuss fast immer sofort zum Tod führt. Nicht wie im Vorgänger, in dem Polizisten locker drei Schrotladungen im Schädel ungerührt wegstecken konnten. Das bringt mich auch sofort zu den Waffen.

Diese sind sehr kreativ: Es gibt die aus Apocalypse Weekend bekannten wildgewordenen Katzen und selbige können auch wieder als Schalldämpfer benutzt werden. Dazu gesellt sich Pfefferspray, welches auch als Flammenwerfer benutzt werden kann, das altbekannte Benzin, Sturmgewehre, Miniguns, Schrotflinten, Pisse, Granaten und die blanke Faust. Abgesehen von dieser sind auch wieder einige Nahkampfwaffen mit dabei, die aber aus der 3rd Person äußerst ungenau arbeiten und man mit der Axt, der Machete oder dem Baseballschläger (wahlweise mit Nägeln drin) oft daneben schlägt. Da besinnt man sich lieber auf das hochpräzise M16. Damit machen die Kämpfe wirklich Spaß. Sogar so sehr, dass ich die Abstürze und Bugs soforrt verzeihen konnte. Überhaupt ist Postal 3 ein Spiel, wie man es vielleicht vor fünf Jahren erwartet hätte. Sowohl technisch als auch spielerisch. Man fühlt sich richtig in die Vergangenheit versetzt und kann über Bugs und Fehler lachen, anstatt sich darüber zu ärgern. Einfach alles wirkt so, als wäre es mit voller Absicht ins Spiel integriert. Immer wieder werden Erinnerungen an ältere Spiele geweckt und auch an moderene B-Movies, die absichtlich einen Trash-Charme versprühen. Das scheint Postal 3 auch zu machen.

Meine Meinung zum Spiel

Wir sehen also, dass Potsal 3 trotz oder vielleicht auch wegen den Fehlern so viel Spaß macht. Hier heißt es wirklich: Gehirn abschalten und kein großes Spiel erwarten, denn das ist Postal 3 wirklich nicht. Es erinnerte mich auch immer wieder an Duke Nukem Forever. Nur mit dem Unterschied, dass der Postal Dude noch ein ganzes Stück cooler ist.

Von mir gibt es eine Kaufempfehlung für Kenner des Vorgängers. Aber nur dann, wenn man Postal natürlich nicht ernst nimmt und es einem nichts ausmacht, manche Abschnitte wegen Fehlern oder eigenem Versagen mehrmals zu spielen. Hier geht es nicht um den blanken Fortschritt, sondern nur darum, mit dem Dude zu spielen. Und das macht Spaß.

Zumindest so lange, bis man bemerkt, dass Postal 3 nicht nur kein gutes Spiel ist, sondern fast überhaupt kein Spiel, denn man verbringt bestimmt die Hälfte der Zeit in Cutscenes, die noch dazu völlig irrelevant sind und bald nerven. Zudem ist das Ende nach 4 Stunden eine Frechheit. Begraben wir dieses Spiel und haben einfach Spaß mit dem Vorgänger.

Über den Autor

Pesti

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