Wie uns gute Spiele verderben

Es ist wirklich merkwürdig, wie sich die Welt heute dreht. Damit meine ich vor allem die Unterhaltungselektronik und hier vornehmlich die PC- und Konsolenspiele. Erinnert euch mal an die damalige Zeit zurück. Vielleicht an euren ersten PC oder sogar an den Amiga oder den Commodore 64. Dinge, mti denen ich auch aufgewachsen bin. Jedenfalls kommt es mir heute merkwürdig vor, wenn ich daran denke, dass wir nie Geld für Spiele ausgegeben haben. Nie gab es zum Geburtstag ein neues Spiel. Die sind einfach so erschienen. Also irgendwann hatte man sie einfach.

Ich meine damit nicht, dass wir sie irgendwo kopiert haben (damals gab es ja noch kaum Kopierschutzmechanismen, weshalb das kein Problem gewesen wäre), sondern ich meine die simple Tatsache, dass die Spiele, die ich gespielt habe, tatsächlich nichts gekostet haben. Heute verstehe ich auch warum, wenn ich mir Retro-Videos angucke oder einen Emulator installiere: Es waren früher immer nur Demos.

Vor 15 oder 20 Jahren konnte man wochenlang und auch darüber hinaus Spaß mit einer Demoversion haben. Man kannte jede Ecke, jeden Winkel, jeden Pixel aber es hat einfach so viel Spaß gemacht, dass man es immer und immer wieder spielte. Ich konnte mich diesem Bann nicht entziehen, obwohl es nichts neues zu bestaunen gab. Das, was ich bereits kannte, war gut genug und es dürstete mich überhaupt nicht nach neuem Inhalt.

Die Zeiten haben sich geändert und heute gehen viele Gamer dem Prinzip nach, ein Spiel einmal durchzuspielen und dann in die Ecke zu packen und es nie wieder anzugucken. Heute ist es ein Skandal, wenn eine Kampagne nach wenigen Stunden vorbei ist. Wir erwarten unglaublich viel für unser Geld, obwohl wir früher mit dem absoluten Minimum glücklich waren.

Heute habe ich einen fast endgültigen Entschluss gefasst, Darksiders nicht mehr weiterzuspielen. Aus irgendeinem Grund bin ich ständig von dem, was ich machen soll, genervt. Ich weiß nicht, woran das liegt, denn das Spiel ist super. Ein solches Spiel hätten wir früher als 20 Minuten-Demo hundert Mal durchgespielt. Mindestens. Doch ich komm einfach nicht davon ab, es ständig mit God of War zu vergleichen und zu bemerken, dass es nicht an die Genregröße heranreicht. Und bei diesem Gedanken ist mir aufgefallen, dass ich mit Darksiders viel mehr Spaß gehabt hätte, würde ich God of War nicht kennen. Das fantastische Abenteuer mit Kratos hat meine Erwartungen an dieses Genre so dermaßen in die Höhe getrieben, dass ich mit einem immer noch guten Spiel nicht mehr zufrieden bin. Das positive Erlebnis hat sich negativ auf zukünftige Spiele ausgewirkt.

God of War war mein erstes Hack’n’Slay, welches ja nicht nur durch seine grandiosen Kämpfe und seine Geschichte besticht, sondern auch durch das interessante Setting und die makellosen Rätsel- und Turneinlagen. Jedes Action-Adventure, dass ich in Zukunft spielen werde, wird sich mit God of War messen müssen und alle werden kläglich am großen Vorbild scheitern.

Genau so ging es mir auch mit den Third-Person-Shootern oder Actiontiteln. Das ist etwas schwer zu klassifizieren. Aber mein erstes Spiel in dieser Art war GTA San Andreas. Für mich ist es bis heute das beste GTA aller Zeiten und kein anderes Open-World-Spiel, das ich später gekauft habe, konnte es mit San Andreas aufnehmen. Mafia 2 kam sehr nahe heran aber hierbei handelt es sich ja auch nicht um eine offene Welt.

Wir sehen also, dass es gar keine so gute Idee ist, ein neues Genre zu betreten und dann gleich mit dem wahrscheinlich besten Siel aller Zeiten in dieser Kategorie zu beginnen. Wer nicht schon alles probiert hat, bräuchte eigentlich wirklich einen Masterplan, um neue Dinge zu erleben und nicht nach einem Spiel bereits alles gesehen zu haben. Vor allem in der heutigen Zeit ist das schwierig genug, denn die aktuellen Releases sind alle hochklassig. Inzwischen kann man fast davon ausgehen, dass jedes kommende Spiel super wird. Vielleicht nicht großartig aber ein komplett verhunztes Spiel hat es schon lange nicht mehr gegeben. Aus diesem Grund kommt man auch mit dem Spielen kaum noch hinterher.

Ich weiß, ich widerspreche mir hier selbst aber die Genres werden auch immer unübersichtlicher. Es kommen ständig neue hinzu, es gibt Abwandlungen oder neue Ansätze. Wer jedoch in die gleiche Kerbe einschlägt, wird meist scheitern, wenn es darum geht, die Kunden zu begeistern, die die Genregrößen bereits kennen.

Es stehen noch einige Spiele auf meiner Liste, die ich noch nicht gespielt habe und bei denen ich inzwischen nicht mehr sicher bin, ob ich sie gut finden werde, weil ich andere Vertreteter schon kenne, die ähniches gezeigt haben. Ich verliere gleichzeitig den Glauben in richtig tolle, neuartige Spiele und den in die Tatsache, dass jemals wieder eine richtig schlechte Produktion das Tageslicht erblickt. Ich bin hin- und hergerissen und hoffe, die Studios zeigen mir den richtigen Weg.

Wir brauchen weniger neue Erscheinungen, dafür aber herausragend gute!

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