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Mrz 28 2013

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[Review] I saw the Devil

Der asiatische Markt hat uns bereits viele unvergessliche Filme vorgesetzt. Und meist war das schwer verdauliche Kost, die dem Aspekt Gewalt oder Grenzüberschreitung oft neue Gesichter verpasste. Manchmal geschah es auf komisch-groteske Art (Tokyo Gore Police, The Machine Girl) und manchmal auf schockierend direkte und realistische Art (Grotesque). „I saw the Devil“ ist ein Asia-Streifen der zweiten Sorte und zeigt uns einmal mehr, wozu „normale“ Menschen im Stande sein können.

Im Prinzip dreht sich die Handlung um einen total verrückten Serienkiller ohne erkennbares Motiv, bis auf sein vergnügen beim Mordern eventuell. Der hat aber das Pech, die Verlobte eines Polizisten des Spezialkommandos und gleichzeitig die Tochte des Polizeichefs getötet zu haben. Diese schließen sich praktisch zusammen, um den Mörder ausfindig zu machen und sich zu rächen. Fortan ist der Verlobte auf der Suche nach dem Mörder.

I saw the Devil

Was einen sehr verwundert, ist die Tatsache, dass die Begegnung sehr früh im Film stattfindet, wo man eigentlich denken würde, sie zieht sich bis zum Showdown hin. Doch der Film trägt nicht umsonst den Untertitel „Rache ist ein tiefer Abgrund“. Denn mit der Ermordung des Mörders seiner Verlobten gibt er sich nicht zufrieden. Er hat einen ausgefeilteren Plan: Er will den Mörder das gleiche Leid durchleben lassen, dass auch seine Freundin durchleben musste, jagt und fängt ihn immer wieder und foltert ihn jedes Mal fast zu Tode, wärend der Mörder weiterhin seinem Tagwerk nachgeht. Diese Geschehnisse sind hochspannend und äußerst clever erzählt und unterhalten über mehr als zwei Stunden Filmmaterial bis zum spektakulären Ende.

Bis es zu diesem kommt, übertrumpfen sich die Gegenspieler teilweise durch pure Cleverness, obwohl anfangs alles noch recht willkürlich erscheint. Interessant ist es aber auch, mit anzusehen, wie aus dem einstig normalen, durchschnittlichen Bürger ein kaltblütiges Monster zu werden scheint, weil er sich immer tiefer in die Sache reinsteigert und immer mehr von Rachegefühlen zerfressen wird. Hier wird emotional dicht erzählt und der Bezug zu den Charakteren stets aufrecht erhalten.

„I saw the Devil“ ist wieder einmal nichts für Kinder, wurde ungekürzt bei der FSK abgelehnt und lediglich juristisch geprüft, also nicht von der Juristenkommission der SPIO, sondern nur von einem einzelnen Juristen. Diese Prüfmethode ist noch unsicherer und auch der Hauptgrund dafür, dass „I saw the Devil“ in Deutschland in dieser Fassung nicht zu bekommen ist. Es sei nur so viel gesagt, dass eine sehr spektakulär gefilmte Szene in der FSK-Fassung komplett fehlt, was ein wahres Trauerspiel ist. Was hier an Kameraarbeit geleistet wurde, ist nahezu unglaublich. Handwerklich fantastisch!

Ich kann nur eins sagen: „I saw the Devil“ ist ein dichter, packender … tja, Thriller? Ich weiß nicht so reht, in welche Kategorie ich ihn stecken soll. Teilweise sind Horrorszenen enthalten aber als Horrorfilm kann man ihn nicht bezeichnen. Vielleicht wirklich ein Drama mit Thriller-, Horror- und Splattereinlagen. Es gab sogar wieder eine grotesk-komische Szene, bei der ich einfach lachen musste. So ist also für die ganze Familie etwas dabei. 😀

Entsprechend der Verwirrung bei der Vergabe des Genres, kann ich auch keine Bewertung abgeben, da sich mein Bewertungssystem nur auf Horrorfilme anwenden lässt. So grob geschätzt ist „I saw the Devil“ aber mindestens ein 85% Kandidat.

Über den Autor

Pesti

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