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Aug 27 2015

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Die Angst vor der Homosexualität

Vielleicht mag es ja der ein oder andere nicht so recht glauben aber dieses Thema meine ich komplett ernst. Nichts, was ich hier jetzt schreiben werde ist auch nur im geringsten ironisch gemeint oder auf irgendeine andere Art und Weise nicht so gemeint, wie ich es schreibe. Das Thema liegt mir wirklich am Herzen und ich möchte, dass auf erwachsene Art und Weise damit umgegangen wird.

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Wie vielleicht einige von euch wissen, arbeite ich als Schlosser. Und als solcher bin ich es gewohnt, in einer sehr rauen Umgebung zu arbeiten. Wer eine blühende Phantasie hat, kann sich evtl. denken, wie in einer Stahlbude gesprochen wird, wie man dort mit anderen Leuten umgeht und was dort immer wieder für Worte fallen. Man könnte es sogar als einen Hort der Unflätigkeiten bezeichnen, denn hier sind meistens keine Frauen anwesend, wegen denen sich die Männer in ihrer Ausdrucksweise zurückhalten würden, noch ist eine gewisse Etikette nötig, da meistens selbst Vorgesetzte und Lieferanten Branchen-typisch mit einem „Du“ angesprochen werden. Irgendwie sind in einer Werkstatt alle gleichgestellt. Und so wird auch schnell mit neuen Bekanntschaften so geredet, wie sonst mit engen Kumpels, die man auch mal von der Ecke ankäst. Und das ist alles noch deutlich harmloser formuliert, als es tatsächlich ist.

Wir halten also fest, dass man viel derben Humor und ein dickes Fell mitbringen muss, wenn man handwerklich im Stahlgewerbe tätig werden will. Das Problem damit ist aber, dass sich einige Leute in dieser Situation dann plötzlich zu wohl fühlen und man immer wieder Dinge mitbekommt, von denen sich ein intelligenter Mensch denken würde, dass derjenige das lieber für sich behalten hätte. Ich muss nicht unbedingt wissen, wie absurd-derb ihr mit Frauen umgeht, welche Gesetze ihr gebrochen habt (und stolz darauf seid!) oder was ihr auf irgendwelchen absurden Parties für Drogen nehmt. Das sind zumindest alles Dinge, die ich meinen Kollegen nicht erzählen würde, denn wenn sie nicht dabei waren, dann geht sie das auch nichts an. Es mag ja sein, dass man die meiste Zeit das Tages mit diesen Leuten verbringt aber meine dicksten Freunde sind sie deshalb trotzdem nicht.

Jedenfalls waren das noch relativ harmlose Informationen, die man zwar unangenehm finden kann, über die dann aber gelacht wird und dann geht’s weiter im Takt. Was mir aber wirklich sauer aufstößt, sind Witzeleien oder Meinungen, die ins Rassistische oder Homophobe (Hass gegen Schwule) gehen. Hier mache ich meinen Standpunkt auch relativ schnell klar und diesen möchte ich euch nun auch einmal anhand einiger Beispiele erläutern.

Mehrere Male habe ich nun schon aus verschiedenen Richtungen gehört, dass Homosexualität nicht „normal“ sei und teilweise tatsächlich, sie seien keine richtigen Menschen, denn da „läuft irgendwas falsch“. Es ist fast so, als ob man Bemerkungen über irgendwelche Gewaltverbrecher hört, Mörder oder ähnliches. Es klingt nicht so, als ob es um sexuelle Neigungen geht. Ich rede ja auch nicht abwertend darüber, dass jemand auf Hintern anstatt auf Brüste steht – jedem das Seine! Es geht mir jedenfalls unglaublich gegen den Strich, wenn diese Neigungen sofort auf eine Linie mit ekelhaften Verbrechen gestellt werden.

Das bringt mich auch sofort zum zweiten Beispiel, nämlich dem, dass generell jeder Homosexuelle von dummen Menschen automatisch als pervers und notgeil abgestempelt wird. Ebenso wie die oben genannten Verbrechen, werden Schwule häufig auf einen Standpunkt mit Kinderschändern gesetzt und ich muss mir tatsächlich anhören, dass Leute, die Kinder haben, sie vor schwulen Menschen beschützen wollen. Es ist so, als ob jeder homosexuell veranlagte Mann kleine Jungs missbraucht. So eine Ansicht widert mich an und macht mich wirklich wütend!

Fast ebenso schlimm finde ich die Meinung, dass ein heterosexueller Mann vor homosexuellen Männern nicht „sicher“ wäre. Als ob jeder Schwule, völlig ohne nachzudenken, jedem Mann nachstellen würde und sofort körperlich aufdringlich wird. Es mag natürlich Menschen geben, die so sind aber das hat absolut nichts damit zu tun, ob es sich um Männer handelt, die sich zu Männern oder zu Frauen hingezogen fühlen. Übermäßig aufdringliche Menschen, die sozial inkompetent sind und ihre sexuellen Neigungen so weit ausleben, dass es langsam aber sicher zu einem Verbrechen wird, müssen nicht zwangsläufig schwul sein!

Als ich über diese Worte nachdachte, fielen mir natürlich selber die schwulen Männer ein, die ich aus meinem privaten Leben kenne. Ich bin nicht schwul und hätte ich nicht gewusst, dass diese Männer es sind, wäre es mir nicht aufgefallen. Sie verhalten sich völlig normal, haben noch nie irgendwelche Anstalten gemacht, irgendwie ausufernd zu werden und sind wie jedes andere Pärchen liebevoll zueinander. Etwas anderes hätte ich auch nie erwartet! Es kommt mir überhaupt nicht in den Sinn, so zu denken! Es kann doch nicht sein, dass das generell erdachte Bild eines schwulen Mannes sofort wie das eines perversen, aufdringlichen, transvestiten-ähnlich zurechtgemachten Kinderschänders aussieht!!

Meine Schlussfolgerung zu all diesem Mist ist einfach, dass die ganze Welt unglaublich von Vorurteilen geprägt zu sein scheint. Das liegt natürlich wieder einmal daran, dass viele Leute selber überhaupt keine homosexuellen Menschen kennen. Es wird sich ein Bild gemacht und weil sie anders sind, werden erst mal ein Haufen negativer Aspekte reininterpretiert. Und das ist unglaublich unfair.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nicht weiß, wie ich mich als schwuler Mann fühlen würde. Ob ich das wegstecken könnte. Wenn ich schwul wäre und im gleichen Beruf wäre, müsste ich mich wahrscheinlich wegen Mobbings bei meinem Vorgesetzten beschweren. Das Schlimme an der ganzen Sache ist ja, dass es irgendwo in der Firma jemanden geben könnte, der schwul ist und er all diese Kommentare und Bemerkungen mit anhören muss. So selbstsicher kann man doch gar nicht sein, um über allem drüber stehen zu können.

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Eine letzte Sache muss ich noch erwähnen: All das, was ich oben geschrieben habe, bezieht sich praktisch ausschließlich auf schwule Männer. Lesbische Frauen hingegen sind ja gar nicht so schräg. Die sind geil. Höhö! Pornos FTW!! (Das war der einzig ironische Satz in diesem Post. Ich könnte kotzen!!!)

Über den Autor

Pesti

Ich bin der Inhaber von nurkram.de und allen Unterseiten, dementsprechend auch der Subdomain blog.nurkram.de.

Jegliche Anfragen zur Seite bitte an mich richten, ich kann mit Sicherheit weiterhelfen.

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5 comments

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  1. Stephania

    Einfach weil mich das Thema in Teilen auch betrifft muss ich dem jetzt noch was hinzufügen.
    Erst mal hast du hier sehr viel richtige Sachen geschrieben. Es ist in keinster Weise „unnatürlich“. Eigentlich ist es eine der natürlichsten Sachen, die nur von der Gesellschaft als unnatürlich gesehen wird. Aber leider wird man das auch nie ganz aus den Köpfen mancher Menschen heraus kriegen.
    Ich glaube wenn ich selbst hetero wäre, fände ich es auch auf irgendeine Art seltsam, wenn sich 2 Frauen küssen. Ich weiß nicht ob ich es ekelig fände, aber ich könnte es zumindest nicht nachvollziehen. Deshalb kann ich auch teilweise verstehen, dass manche damit nicht „klar kommen“. Aber das ist dann ein Fall in dem Toleranz walten sollte. Ganz ehrlich, nur weil ich Erdbeeren lieber mag, hasse ich doch nicht alle Leute, die Himbeeren mögen. Das ist vielleicht kein passender Vergleich, aber ich finde eigentlich, dass das Thema „homo-hetero“ nichts anderes ist. Mag sein, dass das meine kindlich-naive Sichtweise ist, aber ich verurteile keinen Menschen, der andere Sachen mag! Das ist es was ich kindisch finde. :/
    Dann nochmal zu dem „Gerücht“, dass alle schwule sofort über Männer herfallen wollen. Das finde ich eine total dumme Aussage. Sorry, aber ich kann das nicht anders sagen. Das kann man damit vergleichen, dass ein heterosexueller Mann über jede Frau herfallen möchte. Und ich bin zwar kein Mann, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Männer so denken.
    Und wenn man so denkt, was sagt man dann über Bi-/Pansexuelle? Ich weiß immer nicht, wie sich die Leute das vorstellen, aber nur weil ich bi bin, heißt das doch nicht, dass ich am liebsten eine Beziehung mit meinen besten Freundinnen hätte. Oder, dass man mit mir dann keine Freundschaft aufbauen kann, weil ich ja auf Frauen und Männer stehe und deshalb mit jedem was anfangen will.
    Das musste ich jetzt zu dem Thema einfach mal loswerden, weil man so oft solche Sachen an den Kopf geworfen bekommt. xD
    Und „damit klar kommen“ ist finde ich gar nicht so schwer. Ich bin ich und wenn mich jemand so nicht akzeptiert, dann soll er gefälligst auch meinem Leben verschwinden.^^ Das ist natürlich etwas anderes, wenn man sich damit selbst noch nicht abgefunden hat. Es wird einem ja von Anfang an klar gemacht: Mann und Frau. Das ist normal. Von etwas anderem erfährt man in seiner Kindheit nicht.
    Und das schwierigste ist das „Outing vor sich selbst“. Ich hab mir wochenlang Gedanken gemacht, bis ich/mein Gehirn, das wirklich akzeptiert hat. Klingt vielleicht seltsam, aber ja.. heh xD

    Jetzt hab ich wieder einen Roman geschrieben! D:
    Was solls, ich glaub du hast mal geschrieben, dass dir das nichts aus macht. xD
    (Bitte Rechtschreibfehler entschuldigen, ich bin leicht übermüdet und zu blöd, um mit meinem neuen Ring richtig zu tippen, der stört irgendwie. xDD)
    Liebe Grüße
    Steph~

    1. Pesti

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Freut mich wirklich, wenn jemand seine Meinung sagt und es freut mich auch, dass du mir zustimmst. Mehr kann ich praktisch nicht sagen. Nur, dass es mich sehr beeindruckt, dass dieses Thema tatsächlich vielen Leuten auch so zu Herzen zu gehen scheint, wenn sie sich sogar die Zeit nehmen, auf meiner kleinen Seite, die niemanden interessiert, einen Kommentar zu hinterlassen. Danke dafür!

  2. Woltri

    Es wohl ist wie mit vielem in der Gesellschaft. Was man nicht kennt macht einem angst.

    Seien es jetzt Homosexuelle, Ausländer oder von Zuwanderern abstammende, Menschen anderer Religion oder was auch immer.
    Immer, wenn man von einer Lebensart oder einer Kultur im Grunde nicht die blasseste Ahnung hat fürchtet man sich insgeheim ein wenig.
    und viele lassen diese Furcht dann besonders in „homogenen Gruppen“ raus, in denen man einigermaßen „sicher“ ist, dass man gleichgesinnte um sich hat.

    Meine Einstellung dazu ist:
    Was interessiert es mich, ob mein Bäcker, mein Klempner, mein Arbeitskollege oder einer meiner Freunde mit einem Mann glücklich ist oder mit einer Frau, solange die Brötchen schmecken, die Rohre halten, keine Arbeit an mit kleben bleibt, die seine gewesen wäre oder er mich wie auch immer hängen lässt?
    Solange zwei (oder meinetwegen auch mehr) Erwachsene etwas freiwillig miteinander tun – sollen sie.
    Das ist besser, als wenn sie irgendwann zusammenbrechen weil sie keine Chance bekommen ihrem Wesen entsprechend zu leben (und zu lieben).

    Meine zwei Cent zu dem Thema
    LG
    Wolfgang

    1. Pesti

      Genau das ist es! Es geht überhaupt niemanden etwas an, was die Leute in ihrer Freizeit machen. So lange wie ein jeder seinen Beitrag zur Gesellschaft leistet, ist mir völlig egal, was sie in ihrer Freizeit machen oder wie sie ihr Leben leben. Danke für deinen Kommentar!

  3. Woltris Holde

    Also… generell kenne ich diese Problematik zu gut, denn erstens bin ich in einer Handwerker-Familie aufgewachsen und zweitens habe ich auch den größten Teil meiner Jugend in einem ländlichen Verein zugebracht. Auf der anderen Seite bin ich aber auch seit meinem achten Lebensjahr damit aufgewachsen, dass der Bruder meines Vaters in der Ferne (Berlin) zusammenlebte, der aich noch Ausländer war und den er geheiratet hat, was für niemanden, außer meine Großeltern ein Problem darstellte. Mein Standard-Spruch war damals schon „Mein Onkel ist mit nem Mann verheiratet bzw. zusammen und so viel cooler als ihr je sein werdet.“ Es ist doch total egal wer mit wem zusammen ist solange diejenigen glücklich sind.

    Leider wird man diesen Bild-lesenden Schwachköpfen ihre Meinung aber wohl nie austreiben können. Frei nach dem Motto „Meine Meinung steht fest, verwirren sie mich nicht mit Fakten.“ Wie das ein Männer liebender Mann aushalten soll, frage ich mich auch. Wäre schön da vielleicht mal die Meinung eines homosexuellen Handwerkers zu zu hören/lesen.

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