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Feb 13 2019

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Betreten verboten

Wir alle kennen die Schilder, die uns darauf hinweisen, dass wir an einem bestimmten Ort nichts verloren haben. Ob sie nun „Betreten verboten“, „Zutritt nur für autorisierte Personen“ oder sonstwas sagen – sie alle drücken dasselbe aus. Und doch scheinen viele Leute diese Hinweise gekonnt zu ignorieren. Das ist ein Problem.

Ich selber arbeite in einer Branche, in der es viele solcher Verbots- und Gebotsschilder gibt. Die meisten sind eindeutig und wenn sie es nicht sind, wird dem gemeinen Bürger meist einfach der Zutritt untersagt. Das geschieht vor allem in der Industrie sehr oft, um unbedarfte Menschen zu beschützen; vor Gefahren, denen sie sich aussetzen könnten, die sie aber gar nicht wahrnehmen. Das ist ein bisschen so, als wenn euch damals als Kind ein Erwachsener gesagt hätte: „Mach das, weil ich es gesagt habe!“ Diese Aussage, so völlig unbegründet, wird meistens gewählt, weil eine Erklärung zu langwierig wäre oder die betroffene Person es nicht verstehen würde. Der Erwachsene, oder in unserem Fall eigentlich die Firma, die das entsprechende Schild aufgestellt hat, weiß es aber besser und versucht, die unwissenden Leute zu schützen. Das ist ja keine pure Boshaftigkeit.

Eine unserer Baustellen befand sich auf einem Grundstück, das viele Jahre ungenutzt war. Es lag brach, hatte augenscheinlich keinen Nutzen und wurde von vielen Passanten, gleichermaßen mit und ohne Hund, als Abkürzung zwischen zwei Parallelstraßen genutzt. Als wir dann aber eine Anlage auf dieses Grundstück setzten und wir das Gelände dann mit einem Bauzaun versahen, war das Unverständnis vieler Einwohner sehr groß. Sie ärgerten sich darüber, dass sie den Weg nicht mehr abkürzen konnten und wollten einfach nicht einsehen, dass dieses Grundstück kein öffentlicher Ort ist und durch den Aufbau einer Anlage jetzt eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht. Stattdessen quetschten sich viele Leute immer noch an dem Zaun vorbei, um ihres Weges zu gehen. Schließlich wurde ein befestigter Zaun installiert, weil die Passanten nicht hören wollten.

Auf diesem Grundstück wurden (um nur ein Beispiel zu nennen) Probebohrungen im Boden gemacht, um nach eventuellen Bomben aus dem Krieg zu suchen. Diese Bohrungen haben so 15-20 cm Durchmesser und sind so ungefähr einen Meter tief. Trotzdem sieht man sie schlecht. Jetzt stellt euch mal vor, da läuft ein Zivilist entlang und tritt in so ein Loch. Oder sein Hund tritt dort rein und verletzt sich. Oder jemandem fällt sein Handy rein. Oder lasst es schneien und es wird rutschig. Das sind Risiken, die man nicht eingehen kann und deshalb wird der Zugang zu diesem Gelände und dieser Abkürzung jetzt untersagt. Da könnt ihr mir noch so oft sagen, dass ihr vorsichtig seid – das reicht einfach nicht!

Gleiches Spiel bei befestigten Industriegrundstücken. Dort lauern Gefahren, die eine ungelernte Person nicht einschätzen kann. Es besteht die Gefahr, dass man von Funken getroffen wird (geht gerne auch in die Augen), dass man geblendet wird mit nachhaltigen Folgen, dass man Spritzer giftiger oder saurer Flüssigkeiten abbekommt oder man von einem Gabelstapler angefahren wird. Auf solch einem Gelände kann viel los sein und wenn ein einzelner Zivilist, der nicht weiß, wie er sich verhalten soll, wo er sich bewegen darf und welche Regeln und Vorschriften gelten, einfach dort herumspaziert, kann man nicht vorhersehen, was passieren könnte.

Natürlich hat jeder von uns schon einen Gabelstapler gesehen und er weiß auch, dass sie piepen, wenn sie rückwärts fahren. Es gibt aber weitere Verhaltensregeln für Fußgänger und Fahrer auf solchen Geländen, wie z.B. das Betätigen der Hupe, wenn der Fahrer um eine Ecke kommt. Oft sind diese Ecken für den Fahrer nicht einsehbar und bevor er um die Häuserwand fährt, hupt er kurz, um alle kreuzenden Fußgänger zu warnen, dass er sie nicht sehen kann. Sobald eine Hupe auf einem solchen Grundstück ertönt, gilt es, doppelt so aufmerksam zu sein, weil es sein könnte, dass gleich ein Fahrzeug um die Ecke kommt. Und nein, nicht jeden Stapler hört man. Es gibt elektrische Gabelstapler, die sich fast lautlos bewegen.

Ich möchte einfach nur, dass alle, die nicht in der Schwerindustrie oder dem Bauwesen arbeiten, einsehen, dass Baustellen, handwerkliche Betriebe und Industriegelände Orte sind, an denen spezielle Regeln gelten und deshalb niemand diese Orte betreten sollte, der diese Regeln nicht kennt. Es ist fast so, als würdet ihr am Straßenverkehr teilnehmen wollen, ohne je eine Prüfung abgelegt zu haben. Es gibt sogar genug Firmen (vor allem große Unternehmen), die von jedem Besucher verlangen, sich zuerst ein paar Lehrvideos zum Verhalten auf dem Grundstück anzusehen. Manche setzen einem sogar richtige Tests vor, die man ausfüllen und bestehen muss, sonst darf man das Gelände nicht betreten! Handwerkliche Berufe haben viele Lehrgänge, Sicherheitsunterweisungen und Regeln.

Also bitte – wenn ihr ein solches Schild seht, beachtet es! Wir wollen euch doch nur beschützen!…

Über den Autor

Pesti

Ich bin der Inhaber von nurkram.de und allen Unterseiten, dementsprechend auch der Subdomain blog.nurkram.de. Jegliche Anfragen zur Seite bitte an mich richten, ich kann mit Sicherheit weiterhelfen.

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