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Mrz 13 2019

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Meine Gedanken zum Kino

Als ich noch ein kleiner Pesti war, gab es bei mir um die Ecke im Einkaufszentrum ein Kino. Das war irgendwie schon immer da. Relativ unauffällig. Irgendwann wurde es dann auffälliger und heute ist es weg. Egal. Jedenfalls fand der kleine Pesti Kino ganz großartig. Es war etwas besonderes. Ich kann mich noch erinnern, wie der erste Film, den ich jemals im Kino gesehen habe, König der Löwen war. (Kleine Anmerkung am Rande: Damals verstand ich das Konzept von „der Film läuft noch“ nicht. Ich ging davon aus, der Film sei länger gewesen, als das, was ich gesehen habe und er läuft buchstäblich noch. So nach dem Motto, ich hätte etwas verpasst.)

Mein erster Kinobesuch war auch meine erste richtige Begegnung mit dem tollen Zeugs, das wir Bass nennen. Es war eine neue Welt und wie gesagt einfach etwas besonderes. Großes Bild, großer Ton und die perfekte dunkle Atmosphäre – alles Dinge, die es so zu Hause nicht gab.

Viele Jahre später habe ich SAW geguckt. Diese Anekdote ist wichtig. Im Übrigen muss ich anmerken, dass der erste Teil von SAW tatsächlich der erste richtige böse, brutale Horrorfilm war, den ich geguckt habe. Was ich davor gesichtet hatte, waren irgendwelche absurden Spielfilme, die im Free TV liefen und natürlich stets zensiert gezeigt wurden. Meine Begeisterung für Horrorfilme hat SAW perfekt eingefangen und mir genau das gegeben, was ich wollte. Es war für mich der ideale Einstieg in dieses Genre. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits die ersten vier Teile veröffentlicht, die ich dann schnell aufeinanderfolgend guckte, zusammen mit Hostel 1 & 2, sowie dem ersten Teil von Hatchet. Wie auch immer – damit fing es an.

Zu diesem Zeitpunkt wohnte ich noch bei meiner Mutter und meine ältere Schwester war mit ihren kleinen Kindern so gut wie täglich zu Besuch. Und ich saß da in meinem Zimmer mit einer DVD von SAW in den Händen. Ich wollte ihn unbedingt gucken und aus einem mir heute unerklärlichen Grund kam ich nicht auf die Idee, den Film einfach über Kopfhörer zu gucken. Im Zuge des Jugendschutzes wollte ich natürlich nicht, dass die Kinder etwas von den wahrscheinlich unschönen Geräuschen aus diesem Film mitbekommen, also hatte ich den Ton ziemlich leise eingestellt. (Die Kinder waren zu diesem Zeitpunkt höchsten zwei Jahre alt.)

Es ist wichtig, den groben Plot von SAW zu kennen, um zu verstehen, was als nächstes passierte. Im Prinzip handelt es sich um einen Mann, der den Überlebenswillen anderer Menschen testen will und sie deshalb in Situationen bringt, in denen sie entweder durch ihr Nichtstun sterben, oder meist große körperliche Opfer bringen müssen, um zu überleben. Seiner Ansicht nach lässt diese Prozedur einen Menschen zurück, der sein Leben endlich zu schätzen weiß. Es macht ihn krank, wenn Leute ihr Leben verschwenden, zerstören oder für selbstverständlich erachten. Sie müssen dem Tod ins Auge blicken, um rehabilitiert zu werden. Um seinen Opfern zu erklären, was sie tun müssen, um zu überleben, spricht er seine Anweisungen auf Tonbänder und lässt sie ihnen irgendwie zukommen. Im ersten Teil von SAW war das erste Abspielen des ersten Tonbandes natürlich ein großer Moment, weil man überhaupt nicht wusste, was kommt. Diese Tonbänder haben stilecht eine schlechte Qualität und eine geringe Lautstärke.

Weiter oben schrieb ich, wie ich den Ton wegen des aktuellen Besuches sowieso schon recht leise hatte. Als das Tonband zu spielen begann, musste ich mich an meinem Schreibtisch wirklich vorlehnen und ganz aufmerksam zuhören. Es mag vielleicht absurd klingen aber diese kleine Aktion hat mich dem Geschehen im Film viel näher gebracht. Ich fühlte mich viel mehr, als sei ich mittendrin. Den Atem anhaltend, lauschte ich den Instruktionen auf dem Band und wagte es nicht, mich zu bewegen, um nichts zu verpassen. Denn wenn ich eins hasse, dann ist es, eine großartige Szene erneut angucken zu müssen, weil ich etwas nicht verstanden habe.

Der Punkt ist, ich habe alleine einen sehr intensiven Moment der Filmgeschichte erlebt. Und es war toll!

Heute wohne ich alleine und muss mir keine Gedanken mehr über die Lautstärke meiner Filme machen. (Naja, schon ein bisschen.) Ich genieße es aber trotzdem nach wie vor, intensive Filmmomente genießen zu können, ohne dass ich von irgendetwas abgelenkt werde. Ich kann alleine so leise sein, wie ich möchte, um jede winzige Kleinigkeit aufzunehmen. Ich kann jede kleine Aktion im Bild erkennen. Jede winzige Nuance kann ich aufsaugen. Großer Fernseher, dicke Lautsprecher und eigene Vorhänge – es ist immer genau so, wie ich es möchte. So, wie es damals im Kino war. Oder etwa nicht?

Wenn ich heute ins Kino gehe, gehe ich mit ganz anderen Erwartungen dorthin, denn ich weiß, ich werde sonst enttäuscht. Die Bewegungen sehen zu Hause besser aus. Die Schärfe lässt zu wünschen übrig. Der Ton ist bei mir ausgewogener. Und jetzt mal kurz die Ausgewogenheit vorweg – wo ist der verdammte Bass geblieben? Ich weiß, ich wurde früher in den Sitz gedrückt vom Ton – was ist daraus geworden? Ich habe kürzlich Mortal Engines im Kino geguckt. Ein Film, in dem buchstäblich ganze Städte auf einem panzerähnlichen Gefährt herumfahren! Und wo war der Ton, den ich erwarte, um dieses Spektakel zu unterstützen? Ich gucke zu Hause Deadpool und das rummst mehr! Im Übrigen gab es Mortal Engines NUR in 3D. Warum? Manche Leute kommen damit nicht so gut klar. Ich hätte ihn viel lieber in 2D geguckt. Hätte ihn auch nicht unbedingt besser gemacht aber wenigstens wär’s ’n Euro billiger gewesen!

Der Typ neben mir, der lautstark am Popcornmampfen ist und die Frau vor mir mit ihrer Amy Winehouse-Frisur sorgen auch nicht gerade dafür, dass mein Vergnügen steigt. Mir gefällt das Bild nicht, der Ton nicht, der Platz ist doof, die Leute sind nicht ruhig oder zeigen Desinteresse und der Filme startet erst nach 30 Minuten Werbung. Warum soll ich mir das antun? Früher war Kino etwas tolles, etwas besonderes. Heute kommt dieses Feeling einfach nicht mehr rüber. Wenn Kino etwas besonderes bleiben will und vor allem die hohen Preise rechtfertigen will, dann muss modernere Technik verbaut werden, als man sich für zu Hause kaufen kann. Nicht „Technik, die man sich für 500 € nicht kaufen kann“, denn die meisten Leute haben zu Hause mehr Geld dafür ausgegeben. Die Zeiten, in denen man nur mit Bass (den es heute eh kaum noch gibt) und großem Bild allein überzeugen konnte, sind vorbei. Wenn wir 4K Fernseher zu Hause kaufen können und das auf 50 Zoll gut aussieht, dann braucht es für eine 10 Meter Leinwand eben etwas mehr! Wenn man sich für wenig Geld eine gute Anlage von Bose oder Teufel hinstellen kann, dann muss im Kino etwas besseres stehen!

Eigentlich wollte ich in diesem Beitrag nur erzählen, wie gut es mir gefällt, Filme alleine zu gucken. Genau so, wie ich es will und ohne, dass jemand stört. Stattdessen ist es mir etwas entglitten und gestaltet sich zu einem Rant über Kino und warum es schlecht ist. Vielleicht ist es auch einfach nicht für mich. Vielleicht muss ich auch 20 € hinlegen, um in irgendein Premium-Kino für hohe Ansprüche zu gehen. Mit halb so vielen Sitzen, hochwertigerer Leinwand und doppelt so viel Watt in der Endstufe. Gibt’s sowas? Keine Ahnung. Irgendwie will der Funke heute nicht mehr so recht überspringen. Ich will für etwas bezahlen, das das, was der durchschnittliche Bürger zu Hause hat, übertrifft.

Über den Autor

Pesti

Ich bin der Inhaber von nurkram.de und allen Unterseiten, dementsprechend auch der Subdomain blog.nurkram.de. Jegliche Anfragen zur Seite bitte an mich richten, ich kann mit Sicherheit weiterhelfen.

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