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Sep 18 2019

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Normales Gewicht

Wenn Leute sich auf die Waage stellen, beschummeln sie sich. Nicht nur sich selbst, sondern generell alle Menschen. Und keiner scheint das zu bemerken. Das Schöne dabei ist: Wenn wir alle auf die gleiche Art und Weise schummeln, bleibt das Verhältnis zwischen den einzelnen Leuten gleich. So in etwa, wie wenn im gallischen Dorf alle etwas vom Zaubertrank bekommen. Alle sind gleich stark aber die Ausgangssituation, von der aus verglichen wird, verschiebt sich.

Dazu ein Gedankengang – wie funktioniert Zaubertrank überhaupt? Sagen wir mal ein durchschnittlicher gallischer Dörfler hat eine Stärke von 10. Keine Einheit, einfach nur 10, damit wir besser darüber sprechen können. Also Gallier 1 ist 8 stark, Gallier 2 12, Gallier 3 10 usw. Im Durchschnitt sind sie alle gleich stark. Wenn jetzt einer Zaubertrank trinkt, um wie weit wird die Stärke erhöht? Bekommt man einen fixen Wert auf glatte 100 und nach dem Einnehmen des Zaubertrankes sind Gallier 1 und 2 gleich stark? Oder erhöht es sich um +100 zur Basis-Stärke und Gallier 2 wäre mit 112 Punkten immer noch ein kleines bisschen mehr unbesiegbar als Gallier 1 mit 108?

Worauf ich hinaus will – wir alle wiegen uns falsch. Irgendwie sind sich alle Leute einig, dass man sich morgens nach dem Aufstehen wiegen sollte, also auf nüchternen Magen. (Klingt wie eine Pille: Einmal täglich auf nüchternen Magen eine Personenwaage einnehmen. Bei auftretenden Schmerzen bleiben lassen.) Dieser Zustand wird als „natürlich“ bezeichnet. Ich sage aber: Bullshit!

Der moderne zivilisierte Mensch ist in seiner natürlich Umgebung nicht hungrig! Hunger ist ein Zustand, den ein Mensch in einer modernen Umgebung so schnell wie möglich beendet. Hunger ist kein schönes Gefühl und darum essen wir etwas, wenn wir hungrig sind. Der moderne Mensch ist gesättigt. Das ist sein natürlicher Zustand!

Natürlich gilt auch – ein überfressener Mensch, also jemand, der gerade ein riesiges Schnitzel verdrückt hat und sich danach noch eine Suppe, ein Käffchen und ein Eis gegönnt hat (absolut nicht so, wie ich mein letztes Wochenende verbracht habe) ist auch nicht „natürlich“. Ein Mensch, der gegessen hat, keinen Hunger hat, und dem auch sonst nix wehtut, befindet sich im Rahmen eines erstrebenswerten Zustandes und genau dieser Zustand sollte als Basis zur Feststellung des eigenen Körpergewichts herangezogen werden. Sich morgens zu wiegen, nachdem man (im besten Fall) mindestens um die 8-10 Stunden nichts gegessen hat, entbehrt einfach jeder Logik.

Übrigens: Das Argument, Veränderungen im eigenen Gewicht könne man nur mit immer gleichen Ausgangssituationen wirklich akkurat erkennen – Schwachsinn. Wer sein Gewicht über einen längeren Zeitraum beobachtet, wird Durchschnitte für Wochen oder Monate ziehen und Ausgleichskurven in seinem Diagramm verwenden. Die eine Extraportion Klöße fällt da überhaupt nicht auf.

Falls euch also das nächste Mal jemand erzählen will, wann man sich wiegen sollte, könnt ihr diese Person auf meine Ausschweifungen hier verweisen. Die Ausschweifungen über Personenwaagen von jemandem, der noch nie auf sein eigenes Gewicht geachtet hat.

Über den Autor

Pesti

Ich bin der Inhaber von nurkram.de und allen Unterseiten, dementsprechend auch der Subdomain blog.nurkram.de. Jegliche Anfragen zur Seite bitte an mich richten, ich kann mit Sicherheit weiterhelfen.

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2 comments

  1. TOFUFreak

    Grundsätzlich würde ich auch sagen, dass der Zustand „nüchterner Magen“ nicht unbedingt natürlich ist. Aber ich würde eher darauf achten, welcher Zustand im Leben einer Person am normalsten ist, also am meisten Zeit einnimmt. Wer die meiste Zeit mit recht vollem Magen verbringt, für den ist es wohl weniger akkurat, wenn er sich frühmorgens schon auf die Waage stellt – aber wer bspw. wegen einer Essstörung tagsüber sehr wenig isst, für den trifft dieser Zustand seine Normalität um einiges besser. Letztendlich ist das wohl wieder eine individuelle Frage.

  2. woltri

    Eine ganz wichtige Sache ist ja aber (abseits davon welcher Sättigungsgrad am „natürlichsten“ ist) die Vergleichbarkeit des sich aktuell wiegenden mit seinem Vergangenheits-Ich und seinem Zukunfts-Ich.

    Da gibt es zu der Zeit optimaler Sättigung durchaus unterschiede was vor allem die Kleidung betrifft.

    Wiegt man sich am 1.1. entspannt am Feiertag um 13:30 nach dem Frühstück (JA, es war schließlich Silvester) in Shorts und T-Shirt sieht das am 2.1. nach der Frühstückspause auf der Baustelle schon ganz anders aus.

    Deswegen besser ritualisiert und standardisiert. irgendwo zwischen „zu Bewusstsein kommen“ und Zähneputzen in gewichtsmäßig standardisierter Kleidung.

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