So gut können 40 € klingen! Tonor TC-777 Review

VORWORT

Über die letzten 10 Jahre konnte ich viele Erfahrungen im Bezug auf diverses Sound-Equipment sammeln. Interfaces, Wandler, Limiter, Kompressoren – alles war dabei und es hat lange gedauert, bis ich das Setup, das ich heute habe, zusammengestellt hatte. Natürlich gehören auch diverse Mikrofone zu diesem Werdegang dazu und über die Jahre habe ich viele Erfahrungen in den verschiedensten Preisklassen machen können, denn nicht jeder, der zum ersten Mal Videos, Livestreams, Podcasts o.ä. erstellt, ist gleich willens, mehrere hundert Euro in die Hand zu nehmen, um einen vernünftigen Sound produzieren zu können. Umso interessanter finde ich die absolute Einstiegsklasse von deutlich unter 100 €. Also wollen wir doch mal sehen, was das TC-777 von Tonor leisten kann, welches man im Handel schon für teilweise unter 40 €* erwerben kann! (*Affiliate-Link, Preis vom 05.08.2020: 34,99 €)

AUSSTATTUNG

Wenn wir über Mikrofone in einem so niedrigen Preissegment sprechen, ist bei mir immer die erste Frage: Was fehlt? Realistisch betrachtet braucht man für den Betrieb eines Mikrofons nicht nur das Mikrofon selber, sondern zusätzlich irgendeine Art von Halterung, Arm o.ä. Dazu kommt dann so gut wie immer ein adäquater Popschutz, um das Übersteuern durch scharfe P-Laute zu reduzieren. Bei meinem ersten Blick auf das TC-777 wurde ich überrascht, denn beides ist schon vorhanden!

tc-777 komplett

Wir bekommen für 40 € nicht nur das Mikrofon und einen kleinen Ständer (zu dessen Anwendbarkeit ich noch komme), sondern auch eine Spinne, einen vollwertigen Popschutz und einen Windschutz zum Überstülpen. Da es sich um ein USB-Mikrofon handelt, brauchen wir uns keine Gedanken über ein Interface oder eine gute Soundkarte zu machen – das TC-777, genau wie jedes andere USB-Mikrofon auf dem Markt, klingt an jedem Computer absolut identisch, weil die Soundkarte und die Prozessoren für die Signalverarbeitung bereits im Gerät verbaut sind. Das macht es natürlich um so einfacher, adäquate Soundtests durchzuführen.

DESIGN

Das TC-777 ist kein Schwergewicht, wirkt aber dennoch so, als wäre schon etwas Technik verbaut. Natürlich haben wir hier kein 2-Kilo-Monster in der Hand, doch es macht auch nicht den Anschein, als wäre nur eine kleine Platine und zwei Drähte verbaut. Es fühlt sich wertig an und wirkt nicht wie ein Spielzeug. Leicht irritierend fand ich tatsächlich den glänzenden silbernen Streifen, der rund um das Gehäuse verläuft. Das liegt aber ausschließlich an meiner Aufnahmesituation vor einer Kamera. In diesem Setup konnte ich in dem Streifen tatsächlich erkennen, wie sich mein Monitor und der Ausschlag meines Audioprogrammes darin spiegelt. Hatte mich erst verwirrt aber ist eigentlich kaum erwähnenswert. Könnte höchstens eine Rolle spielen, wenn man vor starken Lichtern aufnimmt, die dann in die Kamera reflektiert werden könnten und das Bild überstrahlen. Bisschen Paranoia aber ist mir halt aufgefallen.

Zum Design sei noch kurz erwähnt, dass ich beim Test einfach davon ausgehen musste, dass die Seite des Mikrofons, auf das das Logo gedruckt wurde, die Einsprechseite ist. Einen genauen Hinweis darauf gab es nicht. Andere Hersteller zeigen das etwas deutlicher auf und zumindest für Auftritte vor der Kamera könnte man auch durchaus davon ausgehen, dass es die andere Seite ist, damit das Logo zum Zuschauer gewandt ist. So oder so wäre beides nachvollziehbar aber es wurde einfach nicht so deutlich aufgezeigt. So sieht der Zuschauer halt das CE und EAC Logo, „made in China“, die Patentnummer, sowie den Hinweis, dass man es nicht wegwerfen sollte. Die klassischen Hinweise, dass man das Mikrofon doch bitte nicht werfen oder rauchen sollte, sind nicht vorhanden. Der aufgeklärte Kunde weiß darüber aber natürlich bescheid.

tc-777 rückseite

SOUND

Ja, das mag die wichtigste Eigenschaft sein, also verweise ich gerne auf mein Video, dass ich für diesen Anlass gedreht habe. Es enthält zunächst das Unboxing, sowie einen Soundtest ab der 11. Minute und ein abschließendes Fazit.

Grundsätzlich sei gesagt, dass das Tonor TC-777 sehr viel besser klingt, als ich es erwartet hatte! Wenn wir die Ausstattung etwas zerpflücken und uns überlegen, was ein Popschutz, ein Windschutz, ein kleiner Ständer und eine rudimentäre Spinne kosten, kommen wir alleine mit diesen Objekten auf deutlich über 40 €. Und wenn wir alles Zubehör komplett vernachlässigen, bin ich der Meinung, dass für 40 € kein Mikrofon hergestellt werden könnte, dass diese Soundqualität bietet. So oder so – ich verstehe den Preis überhaupt nicht. Was wir hier geboten bekommen, ist für die verlangte Summe absolut erstklassig!

Was bei günstigen Mikrofonen immer relativ wichtig ist, ist die Art und Weise, wie wir das Produkt benutzen. Es hilft nicht, wenn wir den Sound auf 100% setzen, das Mikrofon einen halben Meter von uns entfernt auf den Tisch stellen und uns dann darüber ärgern, dass es rauscht wie nichts gutes und die Anschläge auf der Tastatur lauter sind als die aufgenommene Stimme. Dafür ist das TC-777, sowie die meisten Mikrofone unter 400 €, nicht ausgelegt. Mit der korrekten Richtcharakteristik und einem sehr geringen Eigenrauschen von deutlich höherpreisigen Produkten können wir so eine Aufnahmesituation realisieren und guten Sound bekommen, doch das ist nicht, wo die Stärken des TC-777 liegen und das sollte auch niemand erwarten!

Für ein Mikrofon der untersten Preisklasse (und das soll nicht abwertend klingen!) müssen wir akustisch etwas tricksen. Das Zauberwort lautet: Nahbesprechungsbereich.

Als Nahbesprechungsbereich bezeichnen wir den räumlichen Bereich unmittelbar vor dem Mikrofon, teilweise so nah, dass wir es beim Sprechen fast berühren. Durch diese Art der Aufnahme wird die Stimm viel voller und räumlicher aufgenommen. Wir haben automatisch ein Volumen in der Stimme, die sich mit einem großen Abstand zum Mikrofon nur schwer erzielen lässt. Wir erzeugen damit die klassische Podcaster- oder Radiostimme.

Ein weiterer Riesenvorteil: Wenn wir sehr nahe am Mikrofon dran sind, muss die Sensibilität nicht so weit hochgeschraubt werden. Ich war bei meinen Tests bei 90% Lautstärke in den Windows Soundeinstellungen und ab diesem Punkt hat das TC-777 so gut wie gar nicht mehr gerauscht. In diesem Punkt müssen wir auch immer fair bleiben, denn bei einem sehr sensiblen Mikrofon ist es überhaupt keine Seltenheit, dass das Rauschen der eigenen Computerlüfter mit aufgenommen wird. Wir blenden das gerne mit der Zeit aus aber das Mikrofon erkennt das. Dem können wir nichts vormachen!

Es bleibt also zu sagen: Sensibilität so weit runterdrehen, bis man kaum noch Rauschen in der Aufnahme hat und dann so nahe wie möglich an das Mikrofon rangehen, um im Verhältnis die eigene Stimme so laut wie möglich aufzunehmen. Natürlich sollte hier auch darauf geachtet werden, nicht zu übersteuern. Ansonsten kann man natürlich immer den Sound noch weiter drosseln. Es ist grundsätzlich immer einfacher, eine laute Quelle aufzunehmen, weil eventuelle Störgeräusche durch die niedrige Sensibilität nicht oder kaum aufgenommen werden.

Der Punkt ist: Mit den richtigen Einstellungen, was Lautstärke und Abstand des Sprechers zum Mikrofon angeht, klingt das TC-777 wie vergleichbare Produkte, die gerne das Doppelte kosten. Es ist sehr viel wärmer, voller und räumlicher, als ich es erwartet hatte. Es hat mich wirklich überrascht! Hier sei euch erneut mein Video empfohlen, um euch ein Bild vom Sound zu machen.

DER STÄNDER

Ein ganz wichtiger Hinweis: Nach allem, was ich euch jetzt über den Nahbesprechungsbereich und die Anwendungsmöglichkeit des TC-777 erzählt habe, fragt ihr euch vielleicht, ob der beigelegte Ständer dann überhaupt sinnvoll ist. Ich sage: nein!

Sofern ihr Gameplays aufnehmen wollt und beim Sprechen einen Blick auf euren Monitor haben wollt, seid ihr zu weit vom Mikrofon entfernt, wenn es einfach so auf dem Tisch steht. Dann habt ihr den Effekt, dass es zu leise ist, zu viel Rauschen aufnimmt, die Tastenanschläge viel zu präsent sind und eurer Stimme das Volumen fehlt. Die Spinne ist in Ordnung und lässt sich problemlos vom Ständer entfernen. Dadurch kommt ein 5/8″ Gewinde zum Vorschein, welches auf jeden handelsüblichen Mikrofonarm passt. Den könnt ihr dann frei im Raum bewegen. Die gibt es mit Tischklemme oft für um die 30 €. Billiger geht es mit einem Schwanenhals, der je nach Situation auch lang genug sein könnte und euch immer noch genug Freiheiten gibt.

tc-777 ständer
tc-777 ständer gewinde

Tatsache ist, dass ihr, sofern ihr nicht ausschließlich Podcasts ohne eine Kamera aufnehmt, ihr ohne einen zusätzlichen Arm oder eine Halterung nicht glücklich werdet. Und das wäre schade, denn das TC-777 ist wirklich ein gutes Produkt!

Ein Trost bleibt: Ihr findet für diesen Preis kein gleichwertiges oder besseres Mikrofon (zumindest keines, von dem ich weiß), welches nicht ebenso einen zusätzlichen Arm bräuchte. Das ist kein Nachteil des TC-777, sondern zu 100% nachvollziehbar und absolut normal.

FAZIT

Ich wurde überrascht. Wirklich! Nicht nur von der Ausstattung im Bezug auf den Preis, sondern auch von der puren Qualität des Sounds, den das TC-777 erzeugen kann. Wenn man damit umzugehen weiß, bekommt man für diesen Preis meiner Meinung nach keinen besseren Sound! Das Volumen und die Präsenz der Stimme in der Aufnahme ist super, der Popschutz verrichtet seine Arbeit vernünftig und durch die inkludierte Spinne ist man sofort bereit, das TC-777 ohne weitere Adapter an gängiges Equipment wie Arme oder Halter zu befestigen. Da es nicht sonderlich schwer ist, muss höchstens darauf geachtet werden, dass die Federn des Armes nicht zu stark sind und auch tatsächlich an Ort und Stelle bleiben. Falls nicht: einen Sack Reis ranhängen. Ohne Quatsch!

Ich sage: Es gibt gerade nichts besseres in diesem Preissegment und auch höherpreisige Produkte bieten nicht immer einen besseren Sound. Natürlich lässt es sich nicht mit Produkten vergleichen, die das Zehnfache kosten aber das wäre ja auch albern.

Für Anfänger, die noch nichts haben, ist das TC-777 von Tonor aber ein erstklassiger Einstieg!

Disclaimer: Dieses Produkt wurde mir kostenfrei vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Es gab keine Einflussnahme auf den Inhalt des Reviews. Dieses Review und das dazugehörige Video stellt zu 100% meine Meinung dar und wurde nicht durch Zahlungen o.ä. beeinflusst. Solltest du weitere Fragen haben, kannst du mir eine E-Mail schreiben. Ich möchte so transparent wie möglich sein und falls etwas unklar sein sollte, frag bitte nach!

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