Was für eine seltsame Situation. Large Language Models (LLM) können hilfreich sein, wenn man versucht, einfache Dinge zu lösen. Kleinigkeiten. Dinge, die die Welt nicht ins Ungleichgewicht werfen. Dinge, die wenn man sie lösen würde, kein Hahn nach krähen würde und wenn es nicht passieren würde, es auch in Ordnung wäre.
Puh, das waren viele Konjunktive. Was ich sagen will: Lass dir von einem Chatbot irgendwas zusammenfassen, wenn du keine Lust auf googlen und Nachforschungen hast. Für unbedeutende Dinge eben.
Ich möchte ganz stark davon absehen, irgendwessen Job oder Hobby durch irgendeine Art KI ersetzen zu wollen und ich finde den langsamen Abgang des Respekts wahrer Kunst gegenüber sehr traurig aber das sind wie gesagt keine Punkte, wofür ich KI benutzt habe. Ich bin einfach nur neugierig. Und ich will Dinge probieren.
Dass diese beiden Eigenschaften eine gar nicht so gute Kombination sind, wenn man sich in manchen Punkten von einer KI „überreden“ lässt, merke ich aktuell. Es ist nämlich absolut nicht so, dass ich nicht eine Menge gelernt hätte, wenn ich absurde Fragen zum Universum habe, Einzelheiten über schwarze Löcher erfahren will, ohne mit Fachbegriffen bombardiert zu werden oder wenn ich versuche, zu verstehen, warum mein Kaffee nicht schmeckt. Es ist eine einfache Methode, um Kleinigkeiten zu „regeln“, die kaum einer Regelung bedürften aber die einfach nett sind, wenn sie sich in Luft auflösen oder plötzlich Sinn ergeben.
Aber ich habe kürzlich bemerkt, dass ich größere Projekte in Angriff genommen habe, die oft auf einer harmlosen Frage basierten.
„Kann ich ein kleines Pogramm schreiben, obwohl ich nicht programmieren kann?“
„Ich brauche Hilfe mit meinem Discord-Bot.“
„Warum trocknet mein Füller aus?“
„Was brauche ich für einen Plex-Server?“
Das sind Dinge, die absolut nicht weltbewegend sind aber wenn ich diese Fragen auch nur 2024 gehabt hätte, dann wäre ich nicht in etlichen Kaninchenbaus verschwunden und erst nach Tagen wieder erwacht, oft mit der Erkenntnis, dass es das nicht wert war.
Zugegeben, die ersten beiden Fragen konnte ich durch den Einsatz eines LLM „lösen“. Der Rattenschwanz ist aber enorm und ich habe extrem viele Stolpersteine nehmen müssen, um dort zu landen, wo ich jetzt bin. Ja, alleine wäre ich wohl nie so weit gekommen aber die Frage bleibt, ob das wirklich nötig war. Jetzt, wo es implementiert ist, nimmt es mir Arbeit ab aber jedes noch so kleine Problem stellt mich wieder vor eine neue Hürde.
Vor allem der letzte Punkt, der Plex-Server, ist ein Thema, mit dem ich mich wahrscheinlich nie beschäftigt hätte, hätte ich mir selbst Ressourcen rausgesucht und es probiert. Überall hört man nämlich, wie einfach das ist und wie toll es ist, die eigene Filmesammlung von der Disc digital zu speichern und dann von überall her streamen zu können.
Ein wichtiger Puntk dabei: Ich hasse streamen.
Nicht wegen der Bequemlichkeit – das ist toll! Sondern wegen den Kompressionsartefakten. Wenn ich auch nur eine Sache auf dieser Welt nicht leiden kann, dann sind es Kompressionsartefakte. Diese kleinen Blöcke und Fehler im Bild, die ihr auf Netflix seht, weil sie zu geizig sind, euch mehr Qualität zu geben. Deshalb kaufe ich Filme und Serien – wegen der perfekten Qualität. Und deshalb habe ich seit Jahren keine Streamingdienste abonniert.
Aber Plex ist anders! Du hast Kontrolle über deine Medien! Du kannst alles verlustfrei speichern!
Ja, in der Tat. Aber zu suchen, worauf es dabei ankommt, wie viel Zeit dafür investiert werden muss, was man für Hardware braucht, was für Probleme auftauchen können, warum Fernseher die meisten Codecs nicht lesen können – das hätte mich einen Schritt zurück gehen lassen. Das LLM sagt aber: „Na klar, natürlich geht das, wir gehen das Schritt für Schritt durch.“ Wir fassen uns alle an den Händen, niemand muss sich fürchten, niemand wird zurückgelassen.
Dann stehst du aber plötzlich da mit deiner un-encodierbaren Bluray aus Korea, dem neu gekauften Laufwerk, Testversionen diverser Programme, die plötzlich erschreckend teuer werden, weil sich die Lizenz seit dem letzten Update des Chatbots geändert hat, Ansätze für Lösungen in Programmen, die nicht mehr existieren und endloses viele andere Probleme, die ich nur auflisten könnte, wenn ich die endlosen Chats erneut durchgehe. Und darauf hab ich keine Lust mehr.
Mein Punkt ist: Ein LLM stellt alles als möglich dar. Und auch als sinnvoll. Sie sind zu ermutigend. Sofern ich Leute kenne, die sich mit Thema X auskennen, frage ich diese aber wenn ich solche Leute nicht kenne, muss ich es auf eigene Faust versuchen. Und wenn ich vor allem beim Thema Plex selber gegooglet hätte, wäre das Dach über mir zusammengebrochen und ich hätte mir gesagt, dass es das absolut nicht wert ist – die Discs stehen bei mir im Regal. Das ist gut genug. Der Chatbot sagt aber: „Na klar, das klappt schon, hier eine neue Idee!“
Die verdammte KI hat meine Zeit verschwendet. Ich sitze hier am Ende eines Tages, an dem ich von meinem Feierabend nicht viel hatte, lange nach meiner Bettchenzeit, weil ich versucht habe, dieses gottverdammte System zum Laufen zu bekommen, ohne je die Einsicht zu erlangen, dass ich mir das auch hätte sparen können. Ich will auch gar nicht hören, wie toll das alles ist, vor allem nachdem ich „Plex Premium“ entdeckt hatte und ich gar nicht wissen will, wo die Einschränkungen der kostenlosen Version liegen. Ich will’s nicht wissen.
Also.
Ich denke, ich werde etwas mehr Abstand zu diesen Bots nehmen, einfach weil ich selber einschätzen können will, ob irgendwas WIRKLICH eine gute Idee ist. Nachdenken kann ich über Tage hinweg, während ich andere Dinge tue. Das nimmt mir nicht aktiv meine Zeit weg. Ein Bot beschäftigt mich, hält mich von anderen Dingen ab, weil immer ein neuer Lösungsvorschlag kommt, immer eine neue Idee, eine ungewöhnliche Herangehensweise, Einsicht, Veränderungen, Linksrumdenken und dann irgendwann … Wiederholung. Das Ding gibt ja nicht zu, dass das ein Fass ohne Boden ist. Es gibt nicht auf. So lange, bis es einfach bekannte Fehler erneut vorschlägt.
Wenigstens hab ich nie Geld für einen Bot ausgegebem, das ist ja schon mal etwas. Und ich muss mich nicht wie in einem Forum schlecht fühlen, wenn ich einfach von der Bildfläche verschwinde und nie wieder antworte.

